Vom regennassen Maria-Theresien-Platz blicken wir zur Fassade des Kunsthistorischen Museums. Über den Fensterreihen erhebt sich die Kuppel, darunter gliedern Säulen, Gesimse und Figuren den Bau. Nach der weiten Ansicht des Platzes gehen wir näher heran. Unser Interesse gilt heute besonders der Architektur: dem Wechsel zwischen grossen Räumen und kleinen Einzelheiten.
Ein Haus für die kaiserlichen Sammlungen
Das Kunsthistorische Museum entstand zwischen 1871 und 1891 nach Entwürfen von Gottfried Semper und Carl von Hasenauer. Am 17. Oktober 1891 wurde es eröffnet. Der Neubau sollte die kaiserlichen Kunstsammlungen aufnehmen und ihnen einen repräsentativen Rahmen geben.
Seine Architektur greift Formen der italienischen Renaissance auf. Als Neorenaissancebau gehört das Museum zum Historismus des 19. Jahrhunderts. Vom Platz aus lassen sich die regelmässigen Fensterachsen und die Gliederung der Geschosse gut verfolgen. Näher am Eingang ziehen Figuren und plastische Verzierungen unseren Blick auf sich. Wir wechseln zwischen beiden Entfernungen, um die Ordnung der Fassade ebenso wahrzunehmen wie ihre Einzelheiten.
Treppen, Säulen und bemalte Flächen
Im Inneren verändert sich die Atmosphäre. Das graue Tageslicht des Platzes weicht warmen Farbtönen und reich gestalteten Oberflächen. Im Treppenhaus führen Stufen und Balustraden den Blick nach oben. Säulen rahmen Durchblicke, dahinter öffnen sich weitere Räume.
Zur Ausstattung des Treppenhauses gehören Arbeiten von Gustav und Ernst Klimt, Franz Matsch, Hans Makart und Mihály Munkácsy. Architektur und Malerei wirken hier zusammen. Für unsere erste Ansicht beziehen wir die Treppe und die darüberliegenden Bildflächen ein. Danach suchen wir kleinere Ausschnitte: eine Säulenbasis, eine Hand am Geländer oder den Übergang zwischen Stein und gemalter Dekoration.
Einen Raum aus mehreren Blickwinkeln sehen
Wir bleiben immer wieder stehen und verändern unseren Standort um wenige Schritte. Eine seitliche Ansicht macht die Tiefe eines Raumes deutlicher. Ein Blick nach oben betont seine Höhe. Menschen auf der Treppe geben der Architektur einen Massstab und bringen Bewegung in die sonst festen Linien.
Nicht jedes Detail braucht eine eigene Aufnahme. Manchmal genügt es, den Blick eine Weile wandern zu lassen. Wir suchen nach Ausschnitten, in denen Formen zusammenfinden und sich die vielen Verzierungen klar voneinander unterscheiden lassen. So entsteht neben der grossen Übersicht eine ruhigere Folge von Beobachtungen – vom Eingang bis zu den oberen Bereichen des Treppenhauses.
