Unser dritter Tag in Wien führt uns nach Schönbrunn. Nach den Gassen der Altstadt und den regennassen Plätzen des Vortags öffnet sich hier ein anderer Raum: lange Fassaden, breite Gartenflächen und Wege, die unseren Blick weit vorausführen. Wir lassen uns Zeit und wechseln zwischen der Übersicht und den kleinen Dingen am Wegrand.
Vom Schloss in den Garten
Wir beginnen auf der Gartenseite des Schlosses. Die gelbe Fassade zieht sich über das Blickfeld, davor gliedern Beete und Kieswege den Vordergrund. Für die erste Aufnahme suchen wir einen Standort, an dem Gebäude und Garten gemeinsam Platz finden. Dann gehen wir näher heran und betrachten den Rhythmus der Fenster und die Übergänge zwischen den Gebäudeteilen.
Abseits der offenen Fläche wird die Stimmung ruhiger. Geschnittene Hecken begrenzen den Weg, zwischen den Bäumen fällt Licht auf den Kies. Wir bleiben dort stehen, wo sich helle und schattige Abschnitte abwechseln. Schon ein kleiner Schritt verändert, wie die Linien der Hecken in die Tiefe führen.
Die Kamera richtet sich nun weniger auf ein einzelnes Bauwerk. Uns interessieren auch die Abstände zwischen den Dingen: der freie Raum vor einer Fassade, eine Öffnung zwischen Bäumen oder ein Weg, dessen Ende zunächst verborgen bleibt.
Zwei Brunnen, unterschiedliche Formen
Am Neptunbrunnen kehren wir zur grossen Gartenachse zurück. Über dem Wasserbecken stehen Figuren und Felsformen dicht beieinander. Aus der Entfernung betrachten wir die gesamte Anlage; näher am Wasser suchen wir einzelne Konturen, Spiegelungen und glänzende Steinkanten.
Danach führt uns der Rundgang zum Obeliskbrunnen. Hier zieht die schlanke Spitze den Blick nach oben. Die geraden Kanten des Obelisken stehen über einem unregelmässigen Unterbau aus Felsen und Figuren. Wir nehmen beide Ebenen zunächst gemeinsam auf und widmen uns anschliessend den Zeichen auf dem Stein.
Bei beiden Brunnen probieren wir unterschiedliche Standpunkte aus. Wir achten darauf, welche Formen sich überschneiden und wo ein ruhiger Hintergrund ein Detail deutlicher hervortreten lässt.
Zur Gloriette und zum weiten Blick
Am Nachmittag steigen wir zur Gloriette hinauf. Unterwegs drehen wir uns mehrmals um. Mit zunehmender Höhe ordnen sich Garten und Schloss neu im Bild, dahinter wird die Stadt sichtbar.
Oben betrachten wir zuerst das Bauwerk. Die lange Reihe der Bögen lädt zu einer Gesamtansicht ein. Aus der Nähe geben Säulen, Kapitelle und Schatten weitere Motive. Wir suchen einen Ausschnitt, in dem die Wiederholung der Formen räumliche Tiefe erzeugt.
Zum Abschluss wenden wir uns der Aussicht zu. Was wir am Morgen aus der Nähe betrachtet haben, liegt nun als zusammenhängende Anlage vor uns. Wir bleiben noch eine Weile und lassen den Blick über Schloss, Garten und Wien wandern.

