Am Abend zieht die Karlskirche unseren Blick über den Platz. Ihre beleuchtete Fassade hebt sich vom dunkler werdenden Himmel ab. Zwischen den beiden reliefgeschmückten Säulen erhebt sich die grosse Kuppel. Im Wasser davor erscheinen die Formen ein zweites Mal, unterbrochen von kleinen Wellen. Wir beginnen mit einer weiten Ansicht und gehen anschliessend näher an das Bauwerk heran.
Eine Kirche aus einem Gelübde
Während der Pest in Wien im Jahr 1713 gelobte Kaiser Karl VI., eine Kirche zu Ehren seines Namenspatrons Karl Borromäus errichten zu lassen. 1716 wurde der Grundstein gelegt. Den Entwurf schuf Johann Bernhard Fischer von Erlach.
Nach seinem Tod 1723 übernahm sein Sohn Joseph Emanuel die Bauausführung und veränderte Teile der Planung. Am 28. Oktober 1737 wurde die Kirche geweiht. Ihre Entstehung verbindet damit ein religiöses Versprechen mit dem architektonischen Anspruch des kaiserlichen Wien.
Säulen erzählen, die Kuppel verbindet
Die Fassade vereint unterschiedliche architektonische Formen. Der Eingang erinnert mit seinen Säulen und dem Dreiecksgiebel an einen antiken Tempel. Dahinter steigt die barocke Kuppel auf; ihr Kreuz erreicht eine Höhe von 74 Metern.
Besonders auffällig sind die beiden freistehenden Säulen. Ihre Reliefs zeigen Szenen aus dem Leben und Wirken des heiligen Karl Borromäus. Aus der Entfernung wirken die Figuren wie ein durchgehendes Band. Näher am Bau erkennen wir einzelne Körper, Gesten und Gewandfalten. Wir wechseln zwischen einer Aufnahme der gesamten Säule und einem Ausschnitt, in dem das seitliche Licht die Formen hervorhebt.
Architektur im letzten Licht
Mit fortschreitender Dämmerung verändert sich das Verhältnis zwischen Gebäude und Umgebung. Die hellen Flächen treten stärker hervor, während Bäume und Menschen zunehmend zu Silhouetten werden. Wir suchen einen Standort, an dem die Kuppel und die Säulen klar voneinander getrennt erscheinen.
Am Wasser nehmen wir uns noch einmal Zeit. Eine ruhige Oberfläche hält die Spiegelung zusammen, kleine Bewegungen lösen sie in Lichtstreifen auf. Für eine tiefere Ansicht gehen wir mit der Kamera näher an den Beckenrand. Danach richten wir den Blick wieder auf die Fassade selbst. Beide Perspektiven ergänzen sich: Die eine zeigt die Architektur und ihre Gliederung, die andere die Stimmung dieses Abends nach dem Regen.
