Am Petersplatz verändert sich unser Blick auf Wien. Nach den gotischen Steinformen des Vormittags wenden wir uns einer Kirche zu, deren Wirkung von Rundungen, Farbe und einer grossen Kuppel geprägt ist. Schon von aussen suchen wir das Zusammenspiel zwischen dem Bauwerk und den Häusern, die den Platz einfassen.
Eine Kuppel zwischen den Häusern
Für unsere erste Ansicht beziehen wir ein Stück der Umgebung ein. Die Häuser am Bildrand geben der Kirche einen Rahmen und machen ihre Lage im Stadtraum sichtbar. Wir gehen einige Schritte über den Platz und beobachten, wie sich Fassade, Türme und Kuppel gegeneinander verschieben.
Dabei suchen wir einen Standpunkt, von dem aus die Formen klar voneinander zu unterscheiden sind. Eine nahe Ansicht betont den Eingang und seine Details. Mit etwas Abstand lässt sich die Kirche stärker als zusammenhängender Baukörper erfassen.
Der heutige barocke Neubau entstand zwischen 1701 und 1733. In seinem Inneren bestimmt ein elliptischer Hauptraum das Raumgefühl. Darüber erhebt sich die zentrale Kuppel. Der Portalvorbau kam erst 1751 bis 1753 hinzu.
Architektur, Malerei und Licht
Im Inneren lassen wir den Blick zunächst durch den Raum wandern. Die geschwungenen Formen führen weiter, als der erste Ausschnitt vermuten lässt. Helle und dunkle Partien gliedern die Ausstattung; einzelne vergoldete Details treten hervor und verschwinden mit einem Wechsel des Standpunkts wieder im Gesamtbild.
Das Kuppelfresko malte Johann Michael Rottmayr 1713 bis 1714. Sein Hauptthema ist die Krönung Mariens. Architektur und Malerei begegnen sich hier unmittelbar: Die gebaute Raumform trägt das Bild, während die gemalte Szene den Blick nach oben zieht.
Für unsere fotografische Entdeckung beginnen wir mit einer weiten Innenansicht. Sie soll zeigen, wie die einzelnen Elemente zusammenwirken. Danach wählen wir einen engeren Ausschnitt, in dem Licht, Oberflächen und plastischer Schmuck zum eigentlichen Motiv werden.
Wir achten darauf, was am Bildrand passiert. Gerade in einem reich gestalteten Raum können angeschnittene Figuren oder helle Fenster vom gewünschten Schwerpunkt ablenken. Ein kleiner Schritt zur Seite verändert mitunter mehr als ein stärkerer Zoom.
Den Raum in Ruhe entdecken
Wir nehmen uns Zeit, bevor wir fotografieren. Zuerst betrachten wir, welche Formen unseren Blick anziehen und wie sie miteinander verbunden sind. Dann entscheiden wir, ob eine Aufnahme die räumliche Wirkung oder ein einzelnes Detail erzählen soll.
Die Peterskirche bleibt dabei ein Ort des Gebets. Wir richten uns nach den Hinweisen vor Ort und lassen Menschen, die hier Ruhe suchen, genügend Raum. Auch ohne Kamera lohnt es sich, die unterschiedlichen Lichtstimmungen auf sich wirken zu lassen.
Zurück auf dem Petersplatz betrachten wir die Aussenansicht nochmals. Die Kuppel ist nun mehr als ein Teil der Silhouette: Wir verbinden sie mit dem Raum und den Bildern darunter. Mit diesem Wechsel zwischen aussen und innen setzen wir unseren Weg durch die Altstadt fort.
