Am Ende des Grossen Parterres verändert sich unser Blick auf den Schlossgarten. Die weiten Flächen treffen auf eine Felslandschaft aus Stein, darüber stehen Figuren mit ausgreifenden Gesten. Der Neptunbrunnen bildet einen markanten Abschluss der Gartenachse. Wir nähern uns langsam und wechseln zwischen der gesamten Anlage und kleinen Ausschnitten.
Ein Abschluss für die grosse Gartenachse
Der Neptunbrunnen entstand im Rahmen der Gartengestaltung, die Maria Theresia in den 1770er Jahren beauftragte. Unter der Bauleitung von Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg begannen 1776 die Arbeiten am Becken. Nach vier Jahren war die Anlage vollendet.
Vom Schloss her betrachtet verbindet der Brunnen die Ebene des Gartens mit dem dahinter ansteigenden Gelände. Seine breite Anlage hält den Blick zunächst fest. Darüber führen die aufragenden Felsen und Figuren weiter nach oben.
Für eine Gesamtansicht lassen wir etwas Abstand. So bleiben das Becken, die seitlichen Begrenzungen und die zentrale Figurengruppe gemeinsam im Bild. Gehen wir näher heran, lösen sich einzelne Formen aus diesem Zusammenhang.
Neptun und sein Gefolge
Im Mittelpunkt steht der Meeresgott Neptun mit seinem Dreizack. Zu seinem Gefolge gehören Meereswesen und Figuren aus der antiken Mythologie. Wilhelm Beyer schuf die Figurengruppe aus Sterzinger Marmor.
Die unterschiedlichen Körperhaltungen geben unseren Detailbildern eine Richtung. Ein ausgestreckter Arm führt zur nächsten Figur, eine gebogene Form nimmt die Bewegung wieder auf. Zwischen den hellen Oberflächen liegen tiefe Schatten, die einzelne Partien deutlich voneinander trennen.
Wir suchen Ausschnitte, in denen wenige Formen zusammenwirken: eine Hand vor dunklem Hintergrund, ein Kopf neben einer Felskante oder eine geschwungene Kontur über dem Wasser. Dabei achten wir darauf, dass sich die Figuren im Bild möglichst wenig gegenseitig verdecken.
Wasser, Stein und der Blick zurück
Das Wasser bringt eine weitere Ebene in die Betrachtung. Auf der Oberfläche des Beckens zerfallen Spiegelungen in bewegte Flächen. Je nach Standpunkt erscheinen die steinernen Formen darüber ruhig oder werden durch Lichtreflexe begleitet.
Nach den Nahansichten wenden wir uns wieder dem Garten zu. Von hier richtet sich der Blick entlang der offenen Achse zurück zum Schloss. Die Fassade liegt nun in der Entfernung, während Wege und Beete den Raum dazwischen gliedern.
Dieser Wechsel gehört für uns zur Entdeckung des Brunnens: Wir betrachten ihn als eigenständiges Werk und zugleich als Bestandteil einer grösseren Anlage.
