Schon aus der Entfernung zieht die schlanke Spitze unseren Blick an. Am Ende der östlichen Diagonalallee steht der Obeliskbrunnen vor dem bewaldeten Hang. Über der breiten, felsigen Brunnenanlage erhebt sich die klare Form des Obelisken. Wir folgen der Allee und beobachten, wie aus einem fernen Blickpunkt nach und nach eine Vielzahl einzelner Details wird.
Ein Blickpunkt im Schlossgarten
Der Obeliskbrunnen wurde 1777 nach einem Entwurf von Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg errichtet. Benedikt Henrici führte die bildhauerischen Arbeiten aus, teilweise nach Entwürfen Wilhelm Beyers.
Seine Lage macht ihn zu einem bewusst gesetzten Ziel innerhalb des Gartens. Die Allee führt auf die Anlage zu und gibt unserer ersten Aufnahme eine Richtung. Mit etwas Abstand können wir den Brunnen zusammen mit seiner Umgebung zeigen. Die Bäume rahmen ihn, während der Weg die Verbindung zu unserem Standort herstellt.
Näher am Becken verändert sich die Wirkung. Der Obelisk ragt steil über uns auf, und die felsige Basis nimmt mehr Raum im Bild ein. Wir suchen einen Standpunkt, von dem aus Spitze und Unterbau gut zusammen sichtbar bleiben.
Zeichen für eine dauerhafte Herrschaft
Vier steinerne Schildkröten tragen den Obelisken. Sie stehen für Stabilität. Auch die Zeichen auf seinen Flächen gehören zu einem Herrschaftsprogramm: Sie sollten die Geschichte des Hauses Habsburg erzählen.
Die vermeintlichen Hieroglyphen sind erfunden. Gerade dieses Detail macht die Anlage interessant. Die ägyptisch anmutenden Formen wurden hier für eine europäische höfische Aussage verwendet.
Für unsere Bilder betrachten wir die Zeichen zunächst als Vertiefungen und Konturen im Stein. Seitliches Licht lässt ihre Kanten hervortreten. Ein enger Ausschnitt zeigt die Oberfläche; eine weitere Ansicht verbindet sie wieder mit der aufragenden Form des Obelisken.
Zwischen Felsformen und fliessendem Wasser
Unterhalb des Obelisken liegt eine gestaltete Grottenlandschaft mit Flussgöttern und mehreren Wasserbecken. Hier wechseln die Formen: Auf die geraden Kanten darüber folgen unregelmässige Felsen, geschwungene Figuren und bewegtes Wasser.
Wir nehmen uns Zeit für diese Übergänge. Helle Steinkanten treffen auf dunkle Öffnungen, feuchte Flächen glänzen neben trockenem Gestein. Je nach Blickwinkel treten andere Einzelheiten hervor oder verschwinden hinter benachbarten Formen.
Zum Abschluss gehen wir einige Schritte in die Allee zurück. Die Details werden wieder kleiner und verbinden sich zur Gesamtansicht. Nun erkennen wir in dem fernen Blickpunkt auch jene Formen, die wir aus der Nähe betrachtet haben.
