Nach den langen Museumsfassaden wirkt die Secession kompakt und ungewöhnlich. Helle Wandflächen treffen auf goldene Ornamente, über dem Eingang erhebt sich die durchbrochene Blätterkuppel. Im grauen Licht unseres Regentages treten die Konturen deutlich hervor. Wir beginnen mit einer Ansicht des ganzen Gebäudes und gehen dann näher an seinen Schmuck heran.
Ein eigenes Haus für neue Kunst
Die Wiener Secession beauftragte Joseph Maria Olbrich mit dem Entwurf ihres Ausstellungshauses. Am 28. April 1898 wurde der Grundstein gelegt, bereits am 29. Oktober desselben Jahres war der Bau fertiggestellt. Das Gebäude wurde zu einem Schlüsselwerk des Wiener Jugendstils.
Seine Wirkung entsteht aus dem Zusammenspiel einfacher geometrischer Körper und gezielt eingesetzter Verzierungen. Grosse geschlossene Flächen geben dem Auge Ruhe. Am Eingang verdichten sich die Details. Für unsere erste Aufnahme lassen wir etwas Raum um das Gebäude, damit seine einzelnen Baukörper und die Kuppel als zusammengehörige Komposition sichtbar werden.
Goldene Blätter über hellen Wänden
Die Kuppel misst 8,5 Meter im Durchmesser. Ihre eiserne Konstruktion trägt 2500 vergoldete Lorbeerblätter und 311 Beeren. Das Lorbeermotiv begegnet uns auch an anderen Stellen der Fassade und verbindet den Schmuck des Hauses miteinander.
Wir verändern unseren Standort langsam. Vor dem hellen Himmel zeichnen sich die Zwischenräume der Kuppel ab; vor einer Wand treten einzelne Blattformen deutlicher hervor. Trotz des bedeckten Wetters setzt das Gold einen warmen Akzent. Ein enger Ausschnitt zeigt, wie sich Blätter und Zweige überlagern. Die Gesamtansicht macht dagegen deutlich, wie leicht diese durchbrochene Form über den geschlossenen Wänden wirkt.
Kleine Zeichen an der Fassade
Über dem Eingang entdecken wir drei Gorgonenhäupter. An den Seitenfassaden erscheinen Eulenmotive. Solche Einzelheiten werden beim ersten Blick auf die auffällige Kuppel leicht übersehen. Deshalb gehen wir um das Gebäude und nehmen uns auch für seine seitlichen Ansichten Zeit.
Beim Fotografieren achten wir auf die Ränder unseres Ausschnitts. Eine angeschnittene Verzierung kann unruhig wirken, während etwas freie Wandfläche ihre Form hervorhebt. Wir vergleichen eine gerade Ansicht mit einem seitlichen Blick, bei dem kleine Vorsprünge und Schatten sichtbar werden. So entsteht eine Bildfolge aus klaren Flächen, goldenen Blättern und wenigen sorgfältig gewählten Details.
