Am Karlsplatz bleiben wir bis in den Abend. Nach dem Regen glänzen die Wege, zwischen den Bäumen bewegen sich Menschen in verschiedene Richtungen. Manche queren den Platz zügig, andere sitzen zusammen oder bleiben am Wasser stehen. Wir suchen zunächst einen Überblick und lassen uns dann von einzelnen Ansichten leiten.
Ein Stadtraum mit vielen Schichten
Der Karlsplatz liegt zwischen Innerer Stadt und Wieden. Seine Entstehung hängt mit der Regulierung und Überdeckung des Wienflusses Ende des 19. Jahrhunderts zusammen. 1899 erhielt er seinen Namen nach Kaiser Karl VI. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Platz wiederholt verändert.
Diese Entwicklung lässt sich auch heute an seiner räumlichen Vielfalt ablesen. Strassen trennen einzelne Bereiche voneinander, während Wege und Grünflächen andere miteinander verbinden. Der Resselpark bietet Raum zum Verweilen. Wir erleben den Karlsplatz deshalb als eine Folge unterschiedlicher Orte: einen belebten Durchgang, eine Bank unter Bäumen und eine offene Fläche mit Blick auf die Karlskirche.
Zwischen Pavillon und Kirchenfassade
Die Stadtbahnpavillons und die Karlskirche geben unserem Rundgang markante Bezugspunkte. Wir betrachten zunächst, wie sie im Stadtraum stehen. Bäume verdecken Teile der Gebäude, Wege führen auf sie zu, und mit jedem Standort verändert sich das Verhältnis von Vordergrund und Hintergrund.
Für eine weite Ansicht beziehen wir Menschen und freie Flächen ein. Danach gehen wir näher heran und suchen ruhigere Ausschnitte. Ein Stück Fassade zwischen Zweigen oder die Kontur eines Pavillons kann bereits genügen. Der Karlskirche und einem der Stadtbahnpavillons widmen wir eigene Entdeckungen, um ihre Geschichte und Gestaltung genauer anzusehen.
Wenn die Spiegelungen heller werden
Mit der Dämmerung verändert sich unser Blick. Der Himmel wird dunkler, beleuchtete Flächen treten stärker hervor. Im Wasser vor der Karlskirche erscheint eine zweite Ansicht des Gebäudes. Kleine Bewegungen lösen ihre Konturen auf und setzen sie wieder zusammen.
Auch auf dem nassen Boden finden wir Lichtspuren. Wir gehen mit der Kamera etwas tiefer, vergleichen die Spiegelung mit dem Bauwerk dahinter und lassen am Bildrand genügend Raum. Vorbeigehende Menschen bringen Bewegung in die Szene. Wir warten, bis sich für einen Moment eine klare Anordnung ergibt. So endet unser Rundgang mit einer ruhigeren Ansicht: Wasser im Vordergrund, Architektur dahinter und der dunkler werdende Himmel darüber.


