Auf dem Weg zur Gloriette gewinnen wir mit jedem Schritt etwas mehr Überblick. Die Gartenflächen liegen zunehmend unter uns, das Schloss rückt in den Zusammenhang der Stadt. Oben angekommen, wenden wir uns zunächst dem Bauwerk zu. Zwischen seinen Säulen und Bögen wechseln helle Steinflächen mit offenen Durchblicken.
Ein Abschluss auf der Hügelkuppe
Die Gloriette wurde 1775 nach Plänen von Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg errichtet. Der frühklassizistische Bau besteht aus einem triumphbogenartigen Mittelteil und seitlichen Arkadenflügeln. Seine erhöhte Lage macht ihn zu einem weithin sichtbaren Bezugspunkt im Schlossgarten.
Für unsere erste Ansicht halten wir etwas Abstand. So lässt sich die lang gestreckte Form mit dem betonten Zentrum erfassen. Wir achten darauf, dass über dem Bauwerk genügend Himmel bleibt und die seitlichen Flügel im Bild Platz finden.
Beim Näherkommen verändert sich dieser Eindruck. Einzelne Säulen treten vor ihre Nachbarn, Bögen überschneiden sich, und die zuvor flächige Ansicht bekommt Tiefe. Schon wenige Schritte zur Seite reichen, um eine neue Anordnung zu entdecken.
Alte Bauteile in einem neuen Zusammenhang
Zahlreiche Säulen, Kapitelle, Arkadenbögen und Gebälkstücke stammen aus dem Renaissanceschloss Neugebäude. Maria Theresia liess die Bauteile für die Gestaltung des Schönbrunner Gartens wiederverwenden.
An der Gloriette betrachten wir deshalb auch die Übergänge zwischen den einzelnen Elementen. Ein Kapitell bildet den Abschluss einer Säule, darüber folgen waagrechte Gliederungen und der Ansatz eines Bogens. Im seitlichen Licht werden Profile und Vertiefungen deutlicher.
Für ein Detailbild suchen wir einen überschaubaren Ausschnitt. Eine Säule und ein Teil des anschliessenden Bogens genügen, um etwas vom Aufbau zu zeigen. Der dunklere Hintergrund kann dabei helfen, die helle Steinkante hervorzuheben.
Durch die Bögen zurück zum Schloss
Nach dem Blick auf die Architektur wenden wir uns wieder der Aussicht zu. Von der Anhöhe aus sehen wir die Gartenanlage aus einer anderen Perspektive als am Morgen. Wege, Baumreihen und offene Flächen lassen ihre Beziehungen deutlicher erkennen.
Wir probieren unterschiedliche Bildaufteilungen aus. Einmal steht die Aussicht für sich, ein anderes Mal nehmen wir eine Säule oder einen Bogen als Vordergrund hinzu. Dabei soll der Rahmen den Blick unterstützen und möglichst wenig vom eigentlichen Motiv verdecken.
Zum Abschluss bleiben wir noch einen Moment stehen. Die Brunnen, Gartenwege und Fassaden unseres Rundgangs verbinden sich nun zu einer gemeinsamen Ansicht. Aus den vielen einzelnen Motiven ist ein räumlicher Zusammenhang geworden.
